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Bruno Hetzendorfer
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Triffst du Schubert unterwegs - eine westöstliche Winterreise

Romantik und Zen - eine verwegene Kombination?
Auf der einen Seite 10 Lieder aus Schuberts Winterreise, auf der anderen
10 Gedichte aus der altchinesischen Zen Geschichte "der Ochs und sein Hirte"....

Zwei Wege also - und scheinbar diametral entgegengesetzt. Der eine, der östliche, führt in das Licht der Erleuchtung, der andere, die Winterreise, in eine immer größere Nacht der Vereinsamung - und doch: Beide Wege sind Metaphern, es sind innere Wege, durch die Seele, durch das Bewusstsein, metaphysische Reisen. Der Hirte sucht seinen Ochsen, damit ist gleichnishaft sein wahres Selbst, die Buddha-Natur, der Ursprung der Wahrheit gemeint. Der Wanderer der Winterreise geht über sein eigenes Ich hinaus, indem er sich die Elemente der Natur als Symbole einer inneren Wahrheit zunutze macht, und schon der erste Satz: "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus..." weist in ganz andere Dimensionen als etwa in die einer unglücklichen Liebesgeschichte. Wenn es im "Irrlicht" heißt: "Bin gewohnt das Irregehen, s'führt ja jeder Weg zum Ziel...." oder in dem Lied "Dorfe": "Ich bin zu Ende mit allen Träumen. Was will ich unter den Schläfern säumen?" führen diese Schlüsselsätze direkt ins Zentrum der Zen-Geschichte.

Der Erleuchtete oder Erwachte ist eben derjenige, der zu Ende mit seinen Träumen ist, der sich den mannigfachen Illusionen nicht mehr hingibt, sondern mit der totalen Aufmerksamkeit in dem einen Moment existiert - im Jetzt !

Wenn es in der "Winterreise" heißt: "Einen Weiser seh' ich stehen, unverrückt vor meinem Blick; eine Straße muss ich gehen, die noch keiner ging zurück" und im achten Bild der Zen-Geschichte: "Heiliges, Weltliches spurlos verschwunden. Im Unbegangenen endet der Weg." - dann berühren sich beide Wege auf geheimnisvolle Weise. Während am Ende der Hirt dem Buddha begegnet, ja selbst zum Buddha wird, so trifft unser Winterreisender im letzten Lied auf eine rätselhafte Figur, den "Leiermann", der barfuss auf dem Eise mit erstarrten Fingern seine Leier dreht "...und er lässt es gehen, alles, wie es will, dreht, und seine Leier steht ihm nimmer still..." Der Wechsel der Tonarten von Dur nach Moll und die sich wiederholenden Bruchstücke volkstümlicher Melodien, die verebben und wieder anheben, signalisieren die Umarmung des Wanderers durch das Schicksal. Wie in der achten Station der Zen-Geschichte der große Himmel in Trümmer bricht und Ochs und Hirte sich in nichts auflösen um transformiert (in diesem Falle erleuchtet) hervorzugehen, so verschmilzt der Wanderer mit dem Todessymbol, um sich zu wandeln: "Willst zu meinen Liedern deine Leier drehn?"

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Wenn durch die inhaltliche Verknüpfung mit der Zen-Geschichte Schuberts "Winterreise" anders und ungewohnt gehört werden kann, so wollte ich auch die instrumentalen und formalen Konventionen aufbrechen, Übergänge zwischen Zen-Klangcollagen und den Liedern der Winterreise finden, vokale und instrumentale Variationen schaffen, den Gesangsstil zwischen klassischen, chansonhaften und erzählerischen Elementen oszillieren lassen, um so das Allzubekannte im neuen Gewande zu präsentieren.

Die Flöte als Bindeglied von östlichen und westlichen Klangtraditionen, E-Bass und E-Gitarre mit der Möglichkeit, klassische und moderne Klangräume zu kreieren, bieten die Chance, das höchst virulente Verstörungspotential dieses Liederzyklus wieder hör- und spürbar werden zu lassen, oder wie es die Zen-Kalligraphie ausdrückt:

OFFENE WEITE - NICHTS HEILIGES

Kontakt: www.hetzendorfer.de
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